Schwemmteiche klein

Das Schwemmtal

"Im Mittelalter erlangte die Schaftrift und die Waldweide in den herrschaftlichen Wäldern für Jesuborn eine besondere Bedeutung. Die Waldweide war in unserer Region die verbreitetste Form der Weidewirtschaft. Die Weiderechte erstreckten sich bis kurz vor Neustadt und Garsitz. Der Ritterfamilie von Berlstedt war die Wintertrift für Ihre Schafe von "michael (20.09.) bis walburgi (30.04.) auf Grasland auch in der Gehrener Flur erlaubt. Im Ergebnis der Auseinandersetzung zwischen dem Kloster Stadtilm und den Herren von Bernstedt 1481 wegen des Gerichts in Jesuborn wird u.a. festgelegt, dass Ludolf von Bernstedt "die Teichstatt über dem Dorf " behalten kann. Diese Teiche waren für die von Bernstedts von großer wirtschaftlicher Bedeutung.Auf dem Gut von Hans Adam von Bernstedt wurden um 1640 laut Anschlag seiner Erbgüter zu Jesuborn 800 Schafe gehalten. Die in so großer Zahl gehaltenen Tiere mussten vor der Schur gewaschen werden. In unserer hangreichen Landschaft konnte ein Wasserlauf angestaut werden, um ein flaches stehendes Gewässer als Badeplatz für das Vieh - in unserem Fall für die Schafe - zu schaffen. So entstanden oberhalb des Dorfes Jesuborn die so genannten Schwemmteiche. Die Qualität der Wolle verbesserte sich durch das Waschen wesentlich. Sie wurde seidenweich und glänzend. Mit dem Aussterben der Grafen von Gleichen 1631 kam Jesuborn als Teil der Grafschaft Obergleichen an die Grafen von Hohelohe-Neuenstein. Als die Grafen von Hohenlohe das früher gleichische Rittergut 1659 an den Schwarzburger Grafen verkauften, wurden die Schaftriften und Teiche ausdrücklich benannt. Das Herrschaftliche Kammergut Jesuborn als Nachfolger des bernstedtischen Rittergutes führte also die Schafhaltung fort. Im 18. Jh. übernahm Amtmann Fricke auf seinem Sichelhammergut bei Gehren die Haltung der Schafe. Nach der Zerstückelung des Sichelhammergutes ab 1783 kam die Schaftrift wieder an Jesuborn. Mit dem Kauf des fürstlichen Kammergutes 1822 durch die Gemeinde Jesuborn ging auch die Schaftrift an die Gemeinde über. Die Weidebefugnis erstreckte sich auf fast 900 ha. - den gesamten Langen Berg "vom Herdorfer Weg bei der Sorge bis auf den Witzleben" (heute Hohe Tanne) und den ganzen Ilmsenberg bis ins Thiemtal. 1839 erhob Jesuborn Klage gene das Fürstliche Kammer- und Forstdepartment zu Gehren wegen des rechts zur Hütung "fremder Triftschafe in den Herrschaftlichen Waldungen". Die Herrschaft strebte einen Vergleich an und gestand der Gemeinde Jesuborn 500 fremde Schafe zu,die aber auf 600 beharrte. Im Ergebnis des bis 1846 andauernden Streits war die Gemeinde Jesuborn berechtigt, "alljählich eine uneingeschränkte Zahl fremder Schafe in Trift zu nehmen und mit diesen neben ihren eigenen Schafvieh die ihr zuständige Trift-,Hütungs- und Weideplätze mit betreiben und hüten zu lassen". Aus einem Gemeinderatsprotokoll von 1862 geht hervor, dass die Jesuborner Bauern aber die entsprechend ihrem Bodenbesitz zugelassene Zahl der gehaltenen Schafe überschritten und deshalb für die unberechtigt gehaltenen Schafe eine gesonderte Abgabe an die Gemeinde entrichten mussten. Mit der 1887 in Jesuborn durchgeführten Seperation wurden Grenz- und Wegeverläufe neu festgelegt und die Einschränkungen der Weiderechte beseitigt. In den Ausführungsbestimmungen für den sog. "Auseinandersetzungsplan über die Flur Gehren" vom 29.02.1896 war die gemeinschaftliche Hütung auf 10 ha auf den Nassen Wiesen und auf 23 ha im Jänemund festgelegt. Jesuborn wurde das Hütungsrecht im Jänemund, Gehren für das auf den Nassen Wiesen abgefunden. Als Triftweg für die Schafe durften nur Wege mit mindestens 5m Breite genutzt werden, wobei diese Wege zwar zum Treiben, nicht aber zu Hüten dienen durften.

In Jesuborn spielte im Mittelalter auch der Flachsanbau eine große Rolle. Der Flachs musste vor der Verarbeitung eingeweicht werden. Dafür standen in der Jesuborner Flur zahlreiche Teiche zu Verfügung, wobei die ortsnah gelegenen Schwemmteiche von besonderem Wert waren. Mit dem Kartoffelanbau seit der Mitte des 18.Jhs. verringerten sich die Anbauflächen für Flachs. 1856 gab es noch 5 Leineweber in Jesuborn. Durch die industrielle Entwicklung der Region verlor die Schafhaltung Ende des 19. Jhs. für Jesuborn ihre volkswirtschaftliche Bedeutung.

Heute sind die Schwemmteiche nicht mehr vorhanden. Der Name des Tals bewahrt aber die Erinnerung daran, welchen Anteil unser Heimatort in vorindustrieller Zeit an der Erzeugung von Textilfasern besaß.

(Quelle: Jesuborner Heimatbote in Zusammenarbeit mit Frau U. Beyer)

 

 

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